Wer zum ersten Mal eine Summen- und Saldenliste liest, sieht vor allem vierstellige Nummern. Diese Nummern folgen einem System. Ein Kontenrahmen ist ein standardisiertes Verzeichnis aller Konten, das die Buchführung eines Unternehmens ordnet und jedem Geschäftsvorfall einen festen Platz zuweist. Die beiden in Deutschland am weitesten verbreiteten Kontenrahmen heißen SKR03 und SKR04. Beide werden von der DATEV herausgegeben, der Genossenschaft der steuerberatenden Berufe, und beide stehen in praktisch jeder Buchhaltungssoftware zur Auswahl.
Du buchst vielleicht nicht selbst. Aber Deine BWA, Deine Bilanz und jedes Gespräch mit Deinem Steuerberater laufen in der Sprache dieses Kontenrahmens. Wer die Logik hinter den Nummern kennt, liest seine Zahlen schneller und versteht, warum zwei Unternehmen mit identischen Geschäftsvorfällen auf völlig verschiedene Kontonummern buchen — und trotzdem dieselbe Bilanz bekommen.
Alle Angaben zu Beträgen, Prozentsätzen und Rechtsgrundlagen: Stand Oktober 2026.
Was ist ein Kontenrahmen und warum schreibt ihn kein Gesetz vor?
Ein Kontenrahmen ist ein branchenübergreifendes Ordnungsschema, das alle denkbaren Konten eines Unternehmens in zehn Kontenklassen von 0 bis 9 einteilt. Gesetzlich vorgeschrieben ist er nicht: § 238 Absatz 1 HGB verlangt von jedem Kaufmann nur Bücher, aus denen sich ein sachverständiger Dritter in angemessener Zeit einen Überblick verschaffen kann. Welche Nummern Du dafür nutzt, bleibt Dir überlassen.
§ 238 Absatz 1 HGB verlangt, dass sich die Geschäftsvorfälle in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen. § 239 Absatz 1 HGB ergänzt: Werden Abkürzungen, Ziffern, Buchstaben oder Symbole verwendet, muss deren Bedeutung im Einzelfall eindeutig festliegen. Genau das leistet ein Kontenrahmen. Er ist die Übersetzungstabelle, die aus der Nummer auf dem Buchungsbeleg eine nachvollziehbare Aussage macht. Und weil Eintragungen nach § 239 Absatz 2 HGB vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet sein müssen, nutzt faktisch jedes buchführende Unternehmen einen Kontenrahmen — obwohl kein Gesetz einen bestimmten vorschreibt. Welche weiteren Anforderungen die Finanzverwaltung an eine ordnungsmäßige, digitale Buchführung stellt, beschreibt der Beitrag zu den GoBD.
Historisch war das anders: Ein Erlass des Reichswirtschaftsministeriums schrieb 1937 allen Unternehmen einen einheitlichen Kontenrahmen zwingend vor; 1953 hob das Bundeswirtschaftsministerium diese Verbindlichkeit auf. Seitdem sind Kontenrahmen Empfehlungen. Die DATEV-Rahmen SKR03 und SKR04 haben sich als Quasi-Standard für kleine und mittlere Unternehmen durchgesetzt, weil die meisten Steuerkanzleien mit ihnen arbeiten.
Kontenrahmen und Kontenplan: zwei Begriffe, ein Unterschied
Der Kontenrahmen ist die vollständige Vorlage mit allen möglichen Konten, der Kontenplan ist die betriebliche Auswahl daraus. Ein Handwerksbetrieb braucht keine Konten für Beteiligungserträge oder Anleihen; er nimmt aus dem SKR03 oder SKR04 die Konten, die bei ihm tatsächlich vorkommen, und ergänzt bei Bedarf eigene.
In der Praxis passiert diese Auswahl oft stillschweigend: Der Kontenplan entsteht dadurch, dass nur bestimmte Konten bebucht werden. Bewusst gepflegt wird er selten — und das führt zu den typischen Problemen: drei verschiedene Konten für Bürobedarf, weil drei Personen gebucht haben, oder ein Erlöskonto, auf dem alles landet, sodass die BWA nicht mehr zeigt, welches Geschäftsfeld wie viel Umsatz bringt.
Ein durchdachter Kontenplan ist deshalb ein Unternehmerthema. Er entscheidet, wie fein Deine Auswertungen aufgelöst sind; was die BWA daraus macht, erklärt der Beitrag zur BWA. Wer Erlöse nach Geschäftsfeldern und Kosten nach Kostenarten trennen will, legt das im Kontenplan an, bevor die erste Buchung des Geschäftsjahres gesetzt wird — rückwirkend sortieren ist aufwendig.
SKR03: Kontenklassen nach dem Prozessgliederungsprinzip
Der SKR03 ordnet die Konten nach dem betrieblichen Ablauf: Erst das Vermögen und Kapital, dann der Zahlungsverkehr, der Wareneinkauf, die laufenden Kosten, am Ende die Erlöse. Diese Reihenfolge heißt Prozessgliederungsprinzip und folgt nicht dem Aufbau von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung, sondern dem Weg des Geldes durch das Unternehmen. Die Kontenklassen des SKR03:
- Klasse 0 – Anlage- und Kapitalkonten: Grundstücke und Gebäude, Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung; daneben das Eigenkapital und langfristige Darlehen. Vermögen und Kapital stehen hier in derselben Klasse, obwohl sie in der Bilanz auf gegenüberliegenden Seiten erscheinen.
- Klasse 1 – Finanz- und Privatkonten: Kasse, Bank, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Vorsteuer- und Umsatzsteuerkonten, Privatkonten des Einzelunternehmers. Die meistbebuchte Klasse des Rahmens.
- Klasse 2 – Abgrenzungskonten: Zinsaufwendungen und Zinserträge, periodenfremde und außerordentliche Posten, Steuern vom Einkommen und vom Ertrag.
- Klasse 3 – Wareneingangs- und Bestandskonten: Wareneingang, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Bezugsnebenkosten, Bestand an Waren.
- Klasse 4 – Betriebliche Aufwendungen: Löhne und Gehälter, soziale Abgaben, Raumkosten, Fahrzeugkosten, Werbekosten, Abschreibungen, Bürobedarf, Beratungskosten.
- Klassen 5 und 6: im SKR03 nicht belegt — frei für eigene Konten, etwa eine Kostenstellenrechnung.
- Klasse 7 – Bestände an Erzeugnissen: unfertige und fertige Erzeugnisse sowie unfertige Leistungen, also die Bestandsveränderungen produzierender Betriebe.
- Klasse 8 – Erlöskonten: Umsatzerlöse getrennt nach Steuersatz und steuerfreien Umsätzen, Erlöse aus dem Verkauf von Anlagevermögen, Provisionserlöse, sonstige betriebliche Erträge.
- Klasse 9 – Vortrags- und statistische Konten: Saldenvorträge für Sach- und Personenkonten, statistische Konten ohne Ergebniswirkung.
Der SKR03 ist in vielen Branchen aus Gewohnheit verbreitet, besonders bei Einzelunternehmen, im Handel und im Handwerk. Seine Schwäche ist die Bilanzlesbarkeit: Die Klasse 0 enthält Aktiva und Passiva zugleich, die Klasse 1 Forderungen ebenso wie Verbindlichkeiten. Wer aus der Summen- und Saldenliste eine Bilanz ableiten will, muss Konten aus verschiedenen Klassen zusammensuchen.
SKR04: Kontenklassen nach dem Abschlussgliederungsprinzip
Der SKR04 ordnet die Konten so, wie Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung nach § 266 und § 275 HGB aufgebaut sind. Die Klassen 0 und 1 bilden die Aktivseite der Bilanz, die Klassen 2 und 3 die Passivseite, die Klassen 4 bis 7 folgen der Reihenfolge der GuV im Gesamtkostenverfahren. Das heißt Abschlussgliederungsprinzip. Die Kontenklassen des SKR04:
- Klasse 0 – Anlagevermögen: immaterielle Vermögensgegenstände, Sachanlagen, Finanzanlagen — die Posten des § 266 Absatz 2 Buchstabe A HGB.
- Klasse 1 – Umlaufvermögen: Vorräte, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Vorsteuer, Kasse und Bank, aktive Rechnungsabgrenzung — § 266 Absatz 2 Buchstaben B und C HGB.
- Klasse 2 – Eigenkapital: gezeichnetes Kapital, Rücklagen, Gewinn- oder Verlustvortrag nach § 266 Absatz 3 Buchstabe A HGB; bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften die Kapital- und Privatkonten.
- Klasse 3 – Fremdkapital: Rückstellungen, Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und aus Lieferungen und Leistungen, Umsatzsteuer, passive Rechnungsabgrenzung — § 266 Absatz 3 Buchstaben B bis D HGB.
- Klasse 4 – Betriebliche Erträge: Umsatzerlöse nach Steuersatz, Bestandsveränderungen, sonstige betriebliche Erträge — die Nummern 1 bis 4 des § 275 Absatz 2 HGB.
- Klasse 5 – Materialaufwand: Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, bezogene Waren, bezogene Leistungen — Nummer 5 des § 275 Absatz 2 HGB.
- Klasse 6 – Betriebliche Aufwendungen: Personalaufwand, Abschreibungen, Raumkosten, Fahrzeugkosten, Werbung, Bürobedarf, Beratungskosten — die Nummern 6 bis 8 des § 275 Absatz 2 HGB.
- Klasse 7 – Weitere Erträge und Aufwendungen: Beteiligungserträge, Zinserträge, Zinsaufwendungen, Steuern vom Einkommen und vom Ertrag, sonstige Steuern — die Nummern 9 bis 16 des § 275 Absatz 2 HGB.
- Klasse 8: frei.
- Klasse 9 – Vortrags- und statistische Konten: Saldenvorträge, statistische Konten.
Der SKR04 wurde im Zusammenhang mit dem Bilanzrichtliniengesetz von 1985 entwickelt, das die heutige Gliederung des HGB-Jahresabschlusses eingeführt hat. Sein Vorteil: Wer die Summen- und Saldenliste von oben nach unten liest, liest in der Reihenfolge der Bilanz und anschließend der GuV. Wie die Bilanz aufgebaut ist und was Aktiva und Passiva aussagen, erklärt der Beitrag zur Bilanz; den Aufbau der Erfolgsrechnung beschreibt der Beitrag zur Gewinn- und Verlustrechnung.
Der entscheidende Unterschied in einem Satz
Im SKR03 steht die Nummer für den Platz im Betriebsablauf, im SKR04 für den Platz im Jahresabschluss. Inhaltlich sind beide Rahmen gleichwertig: Jedes Konto des einen hat ein Gegenstück im anderen, Bilanz und Umsatzsteuer-Voranmeldung sind identisch. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Sortierung — und damit in der Frage, wer die Zahlen wie leicht lesen kann.
SKR03 oder SKR04: Wie Du den Kontenrahmen wählst
Für die meisten Unternehmen entscheidet in der Praxis der Steuerberater, weil die Kanzlei einen Hausstandard hat und der Datenaustausch ohne Umschlüsselung einfacher ist. Fachlich spricht für den SKR04 die Bilanznähe, für den SKR03 die Gewohnheit vieler Branchen. Falsch ist keine der beiden Entscheidungen; teuer wird nur ein späterer Wechsel oder ein Rahmen, den niemand im Unternehmen lesen kann. Drei Kriterien helfen:
- Rechtsform und Berichtsempfänger: Eine GmbH erweitert ihren Jahresabschluss nach § 264 Absatz 1 HGB um einen Anhang; Banken, Gesellschafter und Beirat lesen Bilanzen. Hier ist der SKR04 die natürliche Wahl, weil die Kontennummern der Bilanzgliederung folgen. Ein Einzelunternehmer, der eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellt, hat diesen Vorteil nicht und kommt mit dem SKR03 ebenso gut zurecht.
- Branche und Bestand: Produzierende Betriebe und Händler mit Bestandsveränderungen arbeiten traditionell häufig mit dem SKR03, weil die Klassen 3 und 7 den Warenfluss abbilden. Dienstleister ohne Lager haben diesen Grund nicht.
- Steuerberater und Software: Wer die Buchhaltung ganz oder teilweise an die Kanzlei gibt, übernimmt deren Rahmen. Wer selbst bucht, prüft, für welchen Rahmen die Auswertungen der Software gebaut sind.
Nicht in die Entscheidung gehört die Frage, welcher Rahmen steuerlich günstiger ist. Keiner. Der Kontenrahmen ändert keinen Euro am Ergebnis; welche Ausgaben abziehbar sind, regelt § 4 EStG unabhängig von der Kontonummer — der Beitrag zu den Betriebsausgaben erklärt die Grenzen.
Branchenkontenrahmen: SKR42, SKR51 und andere
Neben den Standardkontenrahmen gibt es Branchenrahmen: den SKR42 für gemeinnützige Körperschaften wie Vereine, Stiftungen und gemeinnützige GmbHs, der den älteren SKR49 abgelöst hat, den SKR51 für das Kfz-Gewerbe, den SKR70 für Hotels und Gaststätten, den SKR14 für die Land- und Forstwirtschaft sowie SKR80 und SKR81 für Zahnarzt- und Arztpraxen. Außerhalb der DATEV-Welt existiert der Industriekontenrahmen (IKR) des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Für ein typisches mittelständisches Dienstleistungs-, Handels- oder Handwerksunternehmen sind diese Rahmen keine Option.
Wechsel des Kontenrahmens: nur zum Geschäftsjahresbeginn
Ein Wechsel von SKR03 auf SKR04 oder umgekehrt ist technisch möglich, aber nur zum Beginn eines Geschäftsjahres sinnvoll. Innerhalb des Jahres lägen Buchungen auf zwei Systemen, Summen- und Saldenlisten wären nicht mehr addierbar. Der Wechsel ist eine Umschlüsselung: Jedes alte Konto bekommt ein Gegenstück im neuen Rahmen, die Saldenvorträge werden auf die neuen Nummern übertragen.
Der Aufwand liegt weniger in der Buchhaltung selbst als in allem, was daran hängt: Buchungsvorlagen, Belegerkennung, Schnittstellen zu Kassensystem, Onlineshop und Lohnabrechnung, Kostenstellenzuordnungen und eigene Auswertungen arbeiten mit den alten Kontonummern. Vorjahresvergleiche in der BWA funktionieren nach dem Wechsel nur, wenn die Vorjahreszahlen ebenfalls umgeschlüsselt werden — sonst zeigen die Vergleichsspalten für ein Jahr Lücken.
Typische Anlässe sind der Steuerberaterwechsel, die Umwandlung vom Einzelunternehmen in eine GmbH oder der Umstieg auf eine neue Software. In allen drei Fällen gilt: im Herbst planen, das alte Jahr sauber abschließen, ab dem ersten Tag des neuen Geschäftsjahres ausschließlich im neuen Rahmen buchen. Die alten Bücher müssen nach § 239 Absatz 4 HGB während der gesamten Aufbewahrungsfrist verfügbar und lesbar bleiben.
Automatikkonten und Umsatzsteuer-Schlüssel
Automatikkonten sind Konten, die bei jeder Buchung die zugehörige Umsatz- oder Vorsteuer selbstständig mitbuchen. Buchst Du einen Erlös auf das Automatikkonto für 19 Prozent, teilt die Software den Bruttobetrag in Nettoerlös und Umsatzsteuer nach § 12 Absatz 1 UStG auf. Dadurch entfällt der häufigste Fehler in der Voranmeldung: der vergessene oder falsche Steuerausweis.
In beiden Standardkontenrahmen gibt es für jede Steuersatzvariante eigene Automatikkonten: Erlöse mit 19 Prozent (§ 12 Absatz 1 UStG), Erlöse mit 7 Prozent (§ 12 Absatz 2 UStG), steuerfreie Erlöse, innergemeinschaftliche Lieferungen, Leistungen nach § 13b UStG — und auf der Einkaufsseite Wareneingang und bezogene Leistungen mit Vorsteuer. Konten ohne Automatik werden mit einem Steuerschlüssel gebucht, einer Kennziffer, die der Buchung den Steuersatz zuweist. Automatikkonten lassen sich in der Regel nicht mit einem abweichenden Steuerschlüssel bebuchen; die Software weist das ab. Das ist kein Hindernis, sondern ein Schutzmechanismus.
Die Qualität Deiner Umsatzsteuervoranmeldung hängt deshalb stark davon ab, ob die Erlös- und Aufwandskonten im Kontenplan richtig als Automatikkonten eingerichtet sind. Ein Erlöskonto ohne Steuerautomatik, auf das Umsätze mit 19 Prozent gebucht werden, lässt die Umsatzsteuer im System verschwinden — bis die Betriebsprüfung sie findet. Welche Rechnungsangaben für den Vorsteuerabzug nötig sind, erklärt der Beitrag zum Vorsteuerabzug.
Beispiel: Dieselben fünf Buchungen in SKR03 und SKR04
Eine Beratungs-GmbH bucht im Oktober 2026 fünf Geschäftsvorfälle. Alle Zahlen sind frei gewählt. Genannt wird jeweils die Kontenklasse, nicht die Kontonummer — genau darin liegt der Unterschied der beiden Rahmen.
Buchung 1 — Ausgangsrechnung für eine Beratungsleistung: 10.000 Euro netto zuzüglich 1.900 Euro Umsatzsteuer (19 Prozent nach § 12 Absatz 1 UStG), Rechnungsbetrag 11.900 Euro auf Ziel.
- SKR03: Soll Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Klasse 1) an Erlöse 19 Prozent (Klasse 8) und Umsatzsteuer 19 Prozent (Klasse 1).
- SKR04: Soll Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Klasse 1, Umlaufvermögen) an Umsatzerlöse 19 Prozent (Klasse 4) und Umsatzsteuer (Klasse 3, Fremdkapital).
Buchung 2 — Büromiete: 2.000 Euro per Banküberweisung, ohne Umsatzsteuer, weil der Vermieter nicht zur Steuerpflicht optiert hat.
- SKR03: Soll Miete (Klasse 4, betriebliche Aufwendungen) an Bank (Klasse 1).
- SKR04: Soll Miete (Klasse 6, betriebliche Aufwendungen) an Bank (Klasse 1).
Buchung 3 — Kauf eines Notebooks: 1.500 Euro netto zuzüglich 285 Euro Vorsteuer, auf Rechnung. Das Notebook wird aktiviert und über die Nutzungsdauer abgeschrieben.
- SKR03: Soll Betriebs- und Geschäftsausstattung (Klasse 0) und Vorsteuer (Klasse 1) an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Klasse 1).
- SKR04: Soll Betriebs- und Geschäftsausstattung (Klasse 0) und Vorsteuer (Klasse 1) an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Klasse 3).
Buchung 4 — Einkauf von Fremdleistungen eines Subunternehmers: 4.000 Euro netto zuzüglich 760 Euro Vorsteuer, auf Rechnung.
- SKR03: Soll Fremdleistungen (Klasse 3, Wareneingangs- und Bestandskonten) und Vorsteuer (Klasse 1) an Verbindlichkeiten (Klasse 1).
- SKR04: Soll Aufwendungen für bezogene Leistungen (Klasse 5, Materialaufwand) und Vorsteuer (Klasse 1) an Verbindlichkeiten (Klasse 3).
Buchung 5 — Zinsen für ein Bankdarlehen: 300 Euro, vom Konto abgebucht.
- SKR03: Soll Zinsaufwendungen (Klasse 2, Abgrenzungskonten) an Bank (Klasse 1).
- SKR04: Soll Zinsaufwendungen (Klasse 7, weitere Aufwendungen) an Bank (Klasse 1).
Das Ergebnis ist in beiden Rahmen identisch. Umsatzerlöse 10.000 Euro, Aufwand 6.300 Euro (Miete 2.000, Fremdleistungen 4.000, Zinsen 300), dazu die anteilige Abschreibung des Notebooks. Umsatzsteuer-Zahllast: 1.900 Euro abzüglich 1.045 Euro Vorsteuer ergibt 855 Euro. Die Bilanz zeigt dasselbe Anlagevermögen, dieselben Forderungen und Verbindlichkeiten, dieselbe Bank.
Was sich unterscheidet, ist die Lesbarkeit der Summen- und Saldenliste. Im SKR04 stehen die drei Aufwandsbuchungen in den Klassen 5, 6 und 7 — in der Reihenfolge der GuV nach § 275 Absatz 2 HGB: Materialaufwand, sonstige betriebliche Aufwendungen, Zinsen. Im SKR03 verteilen sie sich auf die Klassen 2, 3 und 4, und die Forderungen stehen neben den Verbindlichkeiten in derselben Klasse 1. Für den Steuerberater ist das Routine. Für Dich als Leser Deiner eigenen Zahlen ist der SKR04 näher an dem Dokument, das Du am Jahresende unterschreibst.
Häufige Fragen zu SKR03 und SKR04
Ist SKR03 oder SKR04 besser?
Keiner der beiden Kontenrahmen ist fachlich oder steuerlich überlegen; beide führen zu derselben Bilanz und derselben Umsatzsteuer-Voranmeldung. Der SKR04 folgt der Gliederung von Bilanz und GuV nach § 266 und § 275 HGB und ist deshalb für Kapitalgesellschaften und alle, die Bilanzen lesen, leichter nachvollziehbar. Der SKR03 ist in vielen Branchen aus Gewohnheit verbreitet.
Muss ich als Einzelunternehmer mit EÜR überhaupt einen Kontenrahmen nutzen?
Vorgeschrieben ist er nicht — weder § 238 HGB noch das Einkommensteuergesetz nennen einen bestimmten Kontenrahmen. Praktisch nutzt aber jede Buchhaltungssoftware einen, und die Anlage EÜR verlangt eine Aufgliederung der Betriebseinnahmen und -ausgaben nach Arten. Ein Kontenrahmen liefert diese Gliederung automatisch; ohne ihn müsstest Du sie am Jahresende von Hand zusammenstellen.
Kann ich mitten im Jahr von SKR03 auf SKR04 wechseln?
Technisch ja, sinnvoll nein. Ein Wechsel innerhalb des Geschäftsjahres zerreißt Summen- und Saldenlisten, BWA-Vergleiche und Schnittstellen zu Kasse, Shop und Lohn. Der Wechsel gehört zum Geschäftsjahresbeginn, nach einer vollständigen Umschlüsselung aller Konten und Saldenvorträge und idealerweise mit umgeschlüsselten Vorjahreszahlen, damit die Vergleichsspalten der BWA weiter funktionieren.
Was ist der Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan?
Der Kontenrahmen ist die vollständige, branchenübergreifende Vorlage aller möglichen Konten — etwa der SKR03 oder SKR04. Der Kontenplan ist die Auswahl, die ein konkretes Unternehmen daraus trifft, ergänzt um eigene Konten für seine Besonderheiten. Der Kontenplan bestimmt, wie fein BWA und Jahresabschluss später aufgelöst sind; er gehört deshalb vor der ersten Buchung des Jahres festgelegt.
Warum sind im SKR03 die Klassen 5 und 6 leer?
Der SKR03 belegt die Klassen 5 und 6 nicht; sie stehen für betriebsindividuelle Konten frei, etwa für eine Kostenstellen- oder Kostenträgerrechnung. Im SKR04 sind dagegen 5 (Materialaufwand) und 6 (betriebliche Aufwendungen) belegt und dafür die Klasse 8 frei. Der Grund ist die unterschiedliche Gliederungslogik: Prozess im SKR03, Jahresabschluss im SKR04.
Hinweis und nächster Schritt
Dieser Beitrag erklärt die allgemeine Systematik der Kontenrahmen SKR03 und SKR04 mit Stand Oktober 2026. Er ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung: Welcher Rahmen zu Deiner Rechtsform, Branche und Steuerkanzlei passt, wie ein Kontenplan aussehen sollte, der Deine Geschäftsfelder sauber trennt, und ob ein Wechsel den Aufwand lohnt, lässt sich nur anhand Deiner konkreten Buchhaltung beurteilen — vor dem nächsten Geschäftsjahr, nicht im laufenden.
Genau solche Fragen behandeln wir in der wöchentlichen Live-Sprechstunde am Mittwoch: Du bringst Deine Summen- und Saldenliste oder BWA mit, Burkhard Küpper als Steuerberater und die anderen Unternehmer im Netzwerk ordnen ein, wo Dein Kontenplan Lücken hat. → Termin für die Live-Sprechstunde buchen
Ob Deine BWA die Fragen beantwortet, die Du an Dein Unternehmen hast, prüfst Du mit unserer Checkliste zur BWA. Einen Überblick über die Bausteine der laufenden Buchhaltung gibt der Beitrag zu Buchhaltung und Finanzen.
Quellen: § 238 HGB · § 239 HGB · § 266 HGB · § 275 HGB · § 12 UStG · Wikipedia: Kontenrahmen — jeweils in der am 7. Oktober 2026 abrufbaren Fassung.